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Filme

Schlechte Eltern exposed

Oktober 30th, 2014

Wenn es um weibliche Regisseurinnen geht, habe ich einen klaren Liebling: Andrea Arnold! Die Engländerin macht das, was Deutsche gerne können würden – Filme über die Realität. Während die Berliner Schule uns mit grauen Szenarien und unglaubwürdigem Schauspiel einschläfert, holt Arnold aus der Alltagsmisere bewegende Momente heraus und bleibt dabei schmerzhaft realistisch. Nicht zuletzt, weil sie überwiegend mit Laiendarstellern arbeitet.

Heute sah ich ihren Kurzfilm Wasp.

Wie schon in Fish Tank geht es um Mutterschaft und genauso unangenehm unter die Haut. In beiden Filmen sind Kinder ihren überforderten Müttern ausgeliefert, die scheinbar für ihr persönliches Glück gerne bereit sind, ihre Kinder zu opfern. In Wasp schmeißt Zoe von ihrem letzten Geld lieber eine Runde Bier für ihr Date, während ihre Kinder seit Tagen hungern. In Fish Tank ist Mias Mutter Joanne mehr am neuen Freund interessiert als an ihren zwei Töchtern, die offensichtlich sich selbst überlassen sind. Aber auch der Freund glänzt nicht gerade durch die vorbildliche Vaterrolle: Er hat eigentlich selbst eine Familie und eine kleine Tochter. Zu alledem verführt er die minderjährige Mia, gerade als er für sie eine Vaterfigur wird.

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In ihrem ersten Langfilm Red Road geht es um Rache, doch spielen Elternverhältnisse auch hier eine wichtige Rolle. Clyde ist für den Tod von Jackies Mann und Kindern verantwortlich und setzt damit ihre Mutterschaft außer Kraft. An seiner eigenen Vaterrolle ist er ebenfalls gescheitert. Seine Tochter kennt ihn nicht einmal.

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Die Eltern werden bei Andrea Arnold nicht vorgeführt, nicht verurteilt, sondern lediglich gezeigt. Aber unabhängig davon, wie sehr die zerrütteten Familienverhältnisse im Zentrum des Films stehen, weisen sie ganz subtil und leise auf eines hin: Das Unglück beginnt stets im Elternhaus.

 

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