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Baby

Ada, Mama schmeckt nach Fisch!

August 18th, 2014

Das Baby ist die schönste Veränderung.

Und da dies nun gesagt ist: Es verändert sich so einiges. Zum Beispiel das Verhältnis zum eigenen Körper. Der Kokon, der das Kind neun Monate beherbergte, ist danach irgendwie nicht mehr das, was er davor war. Und das meine ich nicht im Sinne offensichtlicher Veränderungen wie mehr Oberweite, schlaffer Bauch nach Kaiserschnitt dekoriert mit fliederfarbenem Zebraprint und Querschnitt in kräftigem aubergine oder diese hartnäckigen fünf Kilo, die es vor der Zeit der guten Hoffnung nicht gab. Nein, ich meine die metaphysische Beziehung zu diesem Teil, dem das Ich innewohnt. 

Denn in ihm wohnte bis vor Kurzem noch ein anderes Ich, zunächst noch als Mini-Ich missdeutet und dann ganz klar als das Andere erkannt. Ist das Baby noch im Bauch, ist es körperlich und geistig ein Teil von mir. Ist es draußen, ist es plötzlich ein anderer Mensch. Und nun teile ich meinen Körper auf eine ganz andere Weise mit ihm als zuvor – viel bewusster und spürbarer.

Mein Körper gehört also einerseits wieder mir und andererseits noch weniger mir als früher. Das empfinden viele Frauen so, soviel konnte ich in trauten Gesprächen mit frischgebackenen Mamis herausfinden. Kaum eine sieht sich schnell wieder als sexuelles Wesen, umso weniger, wenn sie noch stillt. Aber auch jenseits seiner liebesspendenden Funktion: Der Körper wird nach der Geburt nicht weniger, sondern mehr vom Kind vereinnahmt. 

Meine Tochter hat vor einer Woche entdeckt, wie toll meine Hände sind (ich führe das auf meine hübschen Finger zurück). Sie betrachtet sie mit einer bewundernswerten Konzentration und schiebt sie danach langsam und genüsslich in ihren Mund, der seit etwa derselben Zeit nun doppelt bezahnt ist. Musste ich vorher nur die Brüste parat haben (was echt kein Problem ist, ich finde stillen so toll, dass ich alle inständig darum bitte, mich zu ermahnen, falls ich immer noch bereitwillig den Still-BH aufklicke, wenn mein Kind das Essen mit den Worten „Mutter, bitte nähere deine Büste, denn mich dürstet es!“ bestellt), gilt es jetzt auch die Hände bereitzuhalten, die ich doch im Gegensatz zum Busen doch noch das ein oder andere Mal selbst benötige. Ich habe auch schon gelernt, Dinge mit den Füßen zu greifen. Aber das Lachsbrötchen zum Frühstück will ich doch noch mit den Händen halten, auch ich habe Grenzen. Und dann kommt es zu der Situation, dass ich mit reumütigem Blick ob der gen mich gerichteten Enttäuschung meine Glieder wiedergewinnend um Verständnis bitte: „Ada, Mama schmeckt nach Fisch…“

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